In unserer Reihe „Ein Souvenir aus…“ widmen wir uns Dingen, die wir von unseren Reisen mitbringen und die uns im Alltag begleiten. Es geht um Gegenstände, die nicht einfach nur im Regal verstauben, sondern eine Geschichte erzählen. Heute geht es um ein Stück schwedische Kultur, das uns schon auf so mancher Tour begleitet hat und das auch in ein paar Wochen, wenn wir den Wohnwagen für unseren anstehenden Trip zum Gitzenweiler Hof packen, garantiert als Erstes im Staufach landet. Wenn Anna, unsere kleine Charlie, gute Freunde und ich Ende Juni aufbrechen, darf er nicht fehlen: Der Trangia Sturmkocher.

Wenn ich an skandinavische Natur denke, dann habe ich sofort einen ganz bestimmten Geruch in der Nase. Es ist nicht nur der Duft von Kiefernnadeln oder feuchtem Moos, sondern dieser ganz feine, süßliche Geruch von brennendem Spiritus in der kühlen Morgenluft. Für mich ist das der Inbegriff von Draußensein.

Vom schwedischen Dorf in die weite Welt

Nahaufnahme eines voll aufgebauten Trangia-Sturmkochers auf einem Holztisch. Aus der kleinen Aluminium-Kaffeekanne auf dem brennenden Kocher steigt heißer Dampf auf. Im Hintergrund ist eine steinige Küste und das Meer unter einem leicht bewölkten Himmel zu sehen.
Es dauert eben so lange, wie es dauert: Dampfendes Kaffeewasser aus der legendären Trangia-Kanne mit herrlichem Blick aufs schwedische Meer. (Foto: Phil / reisenstattrasen.de)

Die Geschichte des Trangia ist eigentlich die Geschichte einer genialen Einfachheit. Sie beginnt 1925 im nordschwedischen Dorf Trångsviken. Der junge John E. Jonsson hatte wenig Lust auf die familiäre Landwirtschaft und gründete stattdessen mit seinem Schwiegervater eine Aluminiumschmiede. Der Name war schnell gefunden: Das „å“ aus Trångsviken verlor seinen Kreis, und das angehängte „-ia“ stand simpel für „in aluminium“ – Trangia.

Zunächst produzierten sie ganz gewöhnliche Töpfe für die Bauern und Arbeiter der Region. Doch 1938 passierte etwas Einschneidendes in Schweden: Die Regierung führte eine gesetzliche Ferienreform ein. Plötzlich hatten die Menschen Freizeit und es zog sie in Scharen in die Natur. Der Camping-Boom begann. Jonsson reagierte blitzschnell und stellte die Produktion auf leichtes Outdoor-Geschirr um.

Der wahre Durchbruch, wie wir ihn heute kennen, kam dann 1951. Jonssons Söhne Olle und Erik entwickelten das legendäre Trangia System 25. Die Idee: Ein ineinander stapelbares System mit integriertem Windschutz und einem kleinen, unkomplizierten Spiritusbrenner, das das gefährliche Hantieren mit den damaligen Petroleum-Druckkochern überflüssig machte.

Das Geheimnis des Kamineffekts

Warum ist dieses Ding auch heute noch ein so geniales Souvenir und Begleiter? Weil es auf reiner Physik basiert. Während moderne Gaskocher bei starkem Wind oft verzweifelt röcheln oder Unmengen an Brennstoff fressen, läuft der Trangia bei Sauwetter erst richtig zur Höchstform auf.

Das Geheimnis ist der Kamineffekt des zweiteiligen Windschutzes. Man dreht die Löcher des Unterteils gezielt in den Wind. Die Luft strömt hinein, drückt frischen Sauerstoff an den Messingbrenner und entfacht die Spiritusflamme. Die Hitze wird vom Oberteil perfekt um den Topf geleitet. Es gibt keine Pumpen, die kaputtgehen können, keine Ventile, die einfrieren, und keine Düsen, die verstopfen. Wenn die Welt untergeht, der Trangia kocht dir trotzdem deine Nudeln.

Kaffeepausen im schwedischen Nirgendwo

Was wir am Trangia aber fast noch mehr lieben als seine Zuverlässigkeit, ist die Art und Weise, wie er das Reisen verändert. In unseren Schweden-Urlauben hatten wir den Kocher eigentlich immer griffbereit im Kofferraum oder im Rucksack – und zwar immer in Kombination mit der kleinen, ikonischen Trangia-Kaffeekanne.

Ein Trangia Sturmkocher aus Aluminium mit eingesetzter Kaffeekanne steht auf steinigem Waldboden direkt neben einem umgestürzten Baumstamm. Rechts im Bild ist ein Fuß in einem olivgrünen Mammut-Wanderschuh zu sehen.
Der Trangia in seinem natürlichen Lebensraum – perfekt für eine kleine, entschleunigende Kaffeepause direkt auf am Wegesrand. (Foto: Phil / reisenstattrasen.de)

Egal, wo wir gerade waren: ob wir im Wald chillten, am See wach wurden oder einfach am Straßenrand hielten, weil der Ausblick so atemberaubend war – der Kocher war in einer Minute aufgebaut. Während das Wasser für den frisch gebrühten Kaffee leise vor sich hin fauchte und gurgelte, konnten wir die Landschaft in uns aufsaugen. Es dauert beim Trangia eben so lange, wie es dauert. Man zündet den Brenner an, wartet auf den Moment, in dem die Flammen aus den kleinen Löchern an der Seite aufblühen, schießt vielleicht noch entspannt ein Foto und genießt den Moment. Diese Kaffeepausen im Nirgendwo gehören zu unseren absolut schönsten Erinnerungen an Schweden.

Wo man das schwedische Original am besten findet

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist und sich aus dem nächsten Skandinavien-Urlaub direkt einen Trangia mitbringen möchte, dem sei vorab gesagt: Man bekommt sie in Schweden zwar wirklich überall, aber sie sind gar nicht unbedingt günstiger als bei uns in Deutschland. Bei Naturkompaniet – das ist im Grunde das schwedische Globetrotter – sind sie manchmal sogar ein bisschen teurer.

Aber wer die Augen offen hält, findet seine Wege. Eine wunderbare Anlaufstelle sind die schwedischen Flohmärkte, die sogenannten Loppis (die Kurzform von Loppmarknad). Hier findet man oft hübsche, herrlich zerbeulte und vom Ruß geschwärzte gebrauchte Sets. Die haben nicht nur wahnsinnig viel Charme, sondern funktionieren dank der unkaputtbaren Konstruktion auch noch genauso perfekt wie am ersten Tag 1951.

Wenn es doch ein neuer sein soll: Unsere eigenen Trangias stammen größtenteils aus den schwedischen XXL-Sport-Märkten. Wenn man dort gelegentlich mal durchschlendert, kann man mit etwas Glück richtig gute Angebote abgreifen. Übrigens ist es gar nicht so einfach bei den ganzen 25, 27 und minis den Überblick zu behalten – wir haben hier eine Übersicht für euch gebaut.

Ein Trangia ist letztlich nicht nur ein Kocher. Ähnlich wie die SUPERFEST-Gläser aus der DDR oder die Moka aus Italien ist er ein Produkt, das für die Ewigkeit gebaut wurde. Er ist eine Erinnerung daran, dass wir beim Campen nicht auf der Flucht sind. Und genau diese Gelassenheit werden wir definitiv mitnehmen, wenn wir bald wieder die Vorzeltheringe in den Boden schlagen.

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